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Experten widerlegen Aussagen der DUH über Emissionen bei HVO

In einer aktuellen Pressemitteilung behauptet die Deutsche Umwelthilfe (DUH), dass der Dieselkraftstoff HVO100 gesundheitsschädlicher als herkömmlicher Diesel sei. Wissenschaftler und Technikexperten widersprechen den Behauptungen des Lobbyverbands.

Die DUH reklamiert in ihrer Pressemitteilung vom 27. Juni 2024 (Quelle), dass sich die Abgasemissionen von Dieselmotoren verschlechtern, wenn HVO100 anstelle von konventionellem Diesel eingesetzt wird. Der Verein verweist dabei auf Abgasmessungen des DUH-eigenen Emissions-Kontroll-Instituts (EKI), wonach die NOx-Emissionen um 20 Prozent ansteigen sollen. Zudem beruft sich die DUH auf Messungen des ADAC, wonach die Anzahl der Feinstpartikel bei HVO100 ebenfalls steigt. In beiden Fällen legt die DUH die Messergebnisse nicht offen, sodass die Aussagen als unbewiesene Behauptungen im Raum stehen.

Prof. Dr.-Ing. Thomas Willner, Forschungsgruppe Verfahrenstechnik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg), widerspricht den Ergebnissen der DUH deutlich. „Eine Auswertung der einschlägigen internationalen Literatur einschließlich Peer-Review-Publikationen, kommt zum gegenteiligen Ergebnis. Für Pkw- und Lkw-Motoren lassen sich durch den Einsatz von HVO100 sowohl Partikel- und Rußemissionen als auch NOx-Emissionen reduzieren“, erläutert der Verfahrenstechniker. Im Falle der Partikelemissionen sei das Reduktionspotenzial besonders groß: „HVO-Abgase enthalten bis zu 80 Prozent weniger Partikelmasse als B7-Diesel-Abgase. Dadurch werden Dieselpartikelfilter stark entlastet. Dieser besondere Vorteil von HVO wird von der DUH vollkommen verschwiegen.“ Im Hinblick auf die Partikelgrößenverteilung zeigen die Literaturdaten, dass die HVO-Abgas-Partikel zwar durchschnittlich etwas kleiner als Diesel-Abgaspartikel sind. Allerdings sind die HVO-Abgaspartikel im kritischen Feinstbereich unter zehn Nanometer gegenüber B7-Diesel-Abgas-Partikeln deutlich reduziert.

„Verschiedene international publizierte wissenschaftliche Untersuchungen zeigen einen Vorteil in den Rußemissionen bei einem Einsatz von HVO. Eine Verschlechterung kann – wenn überhaupt – nur in einzelnen Betriebspunkten bei HVO-Mischkraftstoffen gesehen werden“, betont auch Dr.-Ing. Olaf Toedter, Leiter neue Technologien und Zündsysteme beim Institut für Kolbenmaschinen (IFKM) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). In den hier meist betrachteten Motorrohemissionen seien in den meisten Betriebspunkten sogar Vorteile bei NOx sichtbar, wobei dies vermehrt vom individuellen Motorkonzept beziehungsweise von der Betriebsstrategie abhänge. Die Autoren der Studien, die sowohl in Deutschland als auch im Ausland angefertigt wurden, kommen zu dem Schluss, dass HVO im schlechtesten Fall keine Erhöhung der Emissionen zur Folge hat und im besten Fall die Partikelemissionen (Rußmasse PM) um bis zu 80 Prozent senken kann. 

Der ADAC hat sich ebenfalls in einer Pressemitteilung (Quelle) zu den Behauptungen der DUH geäußert, da sich der Verein in seiner Mitteilung auf Messungen des Automobilclubs bezieht. Hier heißt es wörtlich: „Bei Messungen des ADAC zu den Emissionen von HVO100 wurden die Grenzwerte sowohl bei den Rußpartikeln (PN) als auch bei den Stickoxiden (NOx) um bis zu 97 Prozent beziehungsweise 78 Prozent unterschritten. Die alarmistische Darstellung der DUH ist vor diesem Hintergrund höchst tendenziös und trägt zur Verunsicherung von Verbrauchern bei. Eine solche Verzerrung der Sachverhalte ist für den ADAC nicht nachvollziehbar. Damit zerredet die DUH die Chancen von HVO100 für einen klimafreundlichen Verkehr. Gerade vor dem Hintergrund eines zögerlichen Hochlaufs der Elektromobilität gilt es, die Möglichkeiten alternativer Kraftstoffe für Bestandsfahrzeuge voll auszuschöpfen.“